|
Deutsche Bahn macht Druck: |
|
|
|
|
Geschrieben von: Ole Thorben Buschhüter
|
|
Mittwoch, den 23. Juni 2010 um 15:19 Uhr |
Die S4-Planungen werden konkret
Die S4-Planungen werden konkret – diese Nachricht hätte das Zeug zum Aufmacher gehabt. Doch sie ging im Trubel des Autofreien Sonntags in Hamburg schlichtweg unter. Eher versteckt hatte die S-Bahn Hamburg GmbH in ihrem Pavillon auf der Eventmeile mehrere Infotafeln über den geplanten Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Bad Oldesloe ausgehängt. Absolut neu gegenüber den bisherigen Überlegungen ist: Für die S4 entstehen zwei separate Gleise durchgehend bis Ahrensburg-Gartenholz. Im Anschluss wird ein zusätzliches Gleis bis Bargteheide verlegt.
„Auch wenn die Präsentation eher lieblos herüberkam, wir begrüßen die erweiterten Pläne“, sagen Ole Thorben Buschhüter und Jörg Sievers von der S4-Initiative. Denn bisher sollte es nur zweigleisig bis Rahlstedt gehen und dann eingleisig weiter bis Ahrensburg. Von Gartenholz bis Bargteheide war bisher kein Ausbau vorgesehen. Diese Light-Version hätte ein beträchtliches Verspätungsrisiko gehabt. „Angesichts vieler zusätzlicher Fernzüge nach Bau der Fehmarnbelt-Brücke macht die Bahn jetzt wohl wirklich Nägel mit Köpfen“, sagt Buschhüter. Nach seiner Einschätzung versprechen die erweiterten Pläne eine deutlich höhere Pünktlichkeit im Nahverkehr und deutlich mehr Fahrgäste. „Da die S-Bahn fast durchgehend auf eigener Trasse fährt, wird sie künftig nicht mehr vom wachsenden Güter- und Fernverkehr behindert und sogar ausgebremst. Das macht sie attraktiv zum Umsteigen“, unterstreicht Sievers.
Nur auf dem Abschnitt Bargteheide-Bad Oldesloe nutzt die S4 einmal pro Stunde die Fernbahngleise. Für Hauptbahnhof-Gartenholz gilt tagsüber der 20-Minuten-Takt, morgens und abends verstärkt auf alle 10 Minuten. Bargteheide wird stündlich bedient, in der HVZ alle 20 Minuten. Vorläufiger Endpunkt der S4 im Westen wird der geplante neue Fernbahnhof „Altona Nord“ (heute Diebsteich). Buschhüter: „So erreichen S4-Fahrgäste ohne Umsteigen die Hamburger Innenstadt.“ Die Regional-Expresszüge fahren weiter unverändert im Halbstundentakt zwischen Hamburg und Lübeck, mit Stopps in Bad Oldesloe und Ahrensburg.
Das Projekt S4 hatte in der letzten Woche wieder Auftrieb bekommen, nachdem ein Gutachten zum Eisenbahnknoten Hamburg bekannt geworden war, in dem es heißt: "Nachhaltige Verbesserungen der Leistungsfähigkeit des Hamburger Hauptbahnhofs können nur durch den Ersatz von Nahverkehrsleistungen durch S-Bahn-Leistungen auf systemeigenen Gleisen erzielt werden." Soll heißen: Nur der Bau der S-Bahn-Linie 4 nach Ahrensburg würde das Kapazitätsproblem des Hauptbahnhofs wirklich lösen. Im Fernbahnteil des Hauptbahnhofs würden dann täglich bis zu 104 Züge wegfallen, die frei werdende Kapazität könnte für andere Verbindungen genutzt werden, die bislang in Harburg oder Altona enden müssen. Züge von und nach Rahlstedt und Ahrensburg würden stattdessen auf den benachbarten Gleisen der S-Bahn fahren, deren Kapazität noch nicht ausgeschöpft ist.
Die S4-Initiative fordert seit rund zehn Jahren den Bau der S4: Die S 4 könnte sehr viel häufiger fahren als heute die Regionalbahn R 10, auf eigenen Gleisen wäre sie außerdem weitestgehend unabhängig von Verspätungen im Fern- und Güterverkehr. Zudem würde sie nicht wie bisher die R 10 am Hauptbahnhof enden, sondern über den City-Tunnel oder die Verbindungsbahn wenigstens bis nach Altona weiterführen. Die Reisezeit soll sich nicht verlängern, obwohl entlang der Strecke zwischen Rahlstedt und Hasselbrook vier weitere Bahnhöfe zusätzliche Fahrgastpotenziale erschließen sollen. Buschhüter: „Die S4 ist offensichtlich auf dem richtigen Weg. „Die Deutsche Bahn scheint bereit. Jetzt müssen der Hamburger Senat und die Kieler Landesregierung das Projekt entschlossen vorantreiben“, fordert die S4-Initiative.
|
|
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 23. Juni 2010 um 15:21 Uhr |